Die Geburt unserer Sonntagskrümel

Heute bin ich mit meiner Frau in unser Krankenhaus der Wahl gefahren um die Geburt einzuleiten. Heute könnte es endlich soweit sein. Heute könnte es sein, dass ich meinen Sohn und meine Tochter im Arm halte. Heute könnte das Glück meiner kleinen Familie perfekt werden. Heute könnte wirklich unser großer Tag werden.

Kennt ihr die Szene aus der letzten Folge von „How I met your mother“ als Barney seine Tochter das erste Mal im Arm hält? Die ersten Worte, die er zu Ihr sagt? Jedes Mal, wenn ich an diese Szene und an diese Worte denke, laufen mir die Tränen von den Wangen und ich kann Euch nur eines sagen… Männer „verweicheiern“ sobald sie eigene Kinder haben oder kurz davor stehen.

Nun ja, früh morgens haben wir das Auto vollgeladen. Da meine Frau in der 29. Woche wegen drohender Frühgeburt schon einmal im Krankenhaus lag, wusste sie genau was sie mitnehmen wollte… und DAS war eine Menge. Ich glaube es waren allein 5-6 Kissen, damit sie es schön bequem hat im Bett. Ansonsten hätte man mit der Menge an Koffern und Taschen ruhig einen 3 wöchigen Urlaub überstehen können! Mir wurde natürlich vorher auch genau angeraten, was ich alles dabei haben muss, speziell für den Kreißsaal, um bestens gewappnet zu sein. Rückwirkend betrachtet, hätte die Hälfte bei meiner Frau gereicht und ich hätte nur Krankenhausschuhe und ein Buch gebraucht. Weiter geht’s, angekommen im Krankenhaus haben wir uns (nur mit leichtem Gepäck 😄) im Kreißsaal gemeldet und sind dann in einen der Kreißsäle geführt worden.

Da bei der Kreissaalführung die Hebammen immer meinten: „Wenn die Wehen kommen, backt ruhig noch einen Kuchen!“ habe ich das natürlich gemacht und schon gestern leckere Schokoladenbrownies gebacken. So hatten wir auch gleich einen Stein Brett bei der Station. Dieses Ritual bzw. diese Goodies habe ich dann fortan jeden Tag fortgeführt und die Hebammen wussten immer ganz genau wer meine Frau bzw. ich war… der Zwillingspapa mit dem leckeren Kuchen.

Meine Frau bekam dann nach kurzer Zeit einen Cocktail, der die Wehen auslösen sollte. MuMu war ca. 1-2 cm geöffnet, aber bislang waren noch keine wirklichen Wehen spürbar, bis auf kleinere Senkwehen, die meine Frau aber nie gemerkt hatte. Insgesamt dreimal kam unsere Hebamme Katja mit dem Shake aber bis auf die kleineren Wehen ist leider nichts passiert… bis ca. 20:30 Uhr. Bei einer Untersuchung und vorm CTG kam eine Flüssigkeit aus dem Uterus meiner Frau, ihr recht unangenehm, mir nur Recht 😉 Der PH-Test zeigte es, es war Fruchtwasser. Ich habe meine Freude nicht so sehr gezeigt, da ich bei ihr auch die Angst in den Augen gesehen habe, vor dem, was da wohl noch auf sie zukommen würde. Ich habe mich aber natürlich riesig gefreut, weil ich dachte, nun ist es nicht mehr lange hin, aber ich sollte noch wirklich lange warten… Da ich selbst noch nicht im KH schlafen durfte, bin ich spät abends wieder nach Hause gefahren und hatte eine recht kurze Nacht. Ein Ohr war ja immer in Alarmbereitschaft, wusste ich doch nicht, ob vielleicht doch etwas in der Nacht geschehen würde.

Morgens leicht gerädert aufgewacht (Freitag) bin ich wieder ins Krankenhaus gefahren und meine Frau erläuterte mir, dass die Einleitung heute mit einem Gel probiert werden würde. Bei der Anwendung dieses Gels hatte meine Frau starke Unterleibsschmerzen, die allerdings im Vergleich zu Geburtswehen wohl eher nichts sind. Dennoch vergrub sie sich lieber ins Kissen und ließ die Tränen laufen. Es ist gemein für mich, dass ich ihr nicht helfen kann. Überall kann ich sie unterstützen, nur hierbei geht es nicht. Für uns Männer ist das echt ein blödes Gefühl. Man(n) kommt sich wirklich total unnütz vor, weil man nichts machen, nicht unterstützen und vor allem die Frau nicht vor den Schmerzen beschützen kann, die da bevorstehen. Man kann nur „da“ sein und seiner Frau ein gutes Gefühl geben.

Gebärende Frauen sind angsteinflößend!!!

Nebenan ist eine junge Frau, die schreit als würde sie gleich in der Mitte zerteilt werden. Ich glaube jeder werdende Vater hat davor Angst. Normaler Weise wirft man sich beschützend vor seine Frau, aber wie soll ich das hier machen? Ich kann überhaupt nichts machen und Vorbereitung hin oder her, ich hab keine Ahnung, was ich tun soll wenn es soweit ist. Beim Gedanken an diese Hilflosigkeit schießen mir mal wieder Tränen in die Augen… Mein Gott, wie soll es nur werden, wenn es tatsächlich los geht?

Nachdem abends das Gel auch keine eigenen Wehen anstoßen konnte, bin ich erneut nach Hause gefahren, um mich auch etwas um unsere Stubentiger zu kümmern. Sie fanden das ja auch komisch, dass immer nur ich nach Hause komme und ihr Frauchen nicht da ist.

Am nächsten Morgen kam dann die SMS von meiner Frau, heute kommt der Wehentropf, heute Abend sind wir Eltern, hat die Oberärztin gesagt. Draußen war es kalt und ich musste die Scheiben kratzen und so langsam kam das Gefühl was einen fertig macht. Langsam kam die ersten kleinen Tränen beim Gedanken daran spät am Abend die Kinder endlich zu halten. Etwas Angst war auch immer dabei…

Lieber Gott, bitte lass meine Kinder gesund sein!

Ich saß den ganzen Tag am Bett meiner Frau aber der Tropf, der ½ stündlich immer um ein paar Einheiten nach oben angepasst wurde zeigte keine Wirkung und zum Abend hin, haben Ärzte, Hebammen und wir dann beschlossen (aufgrund des Blasensprunges der bereits über 2 Tage her war) die Kinder nun heute mittels Kaiserschnitt zu holen. Kurze Zeit später kamen die Ärzte noch einmal herein (und das fanden wir wirklich gut!) und meinten, dass wenn wir bis morgen früh warten würden, die Kinder offiziell laut Krankenhausordnung keine Frühchen mehr wären. Dann würden sie nicht so engmaschig untersucht und gepikst werden müssen. Das fanden wir natürlich auch gut und wir hatten schon so lange gewartet, die paar Stunden waren nun auch nicht mehr wichtig. Da es Samstagabend war, konnte die OP nicht mehr eingereicht werden, sondern erst Sonntag früh. Da am Wochenende eher eine Notbelegung der OP-Mannschaft da ist, konnte die OP morgens um 8:00 Uhr oder aber erst abends sein, das würden wir dann spontan erfshren.

Ich war fertig. Die Nacht kaum geschlafen und mörderisch aufgeregt. Ich bin schon um 6:30 Uhr auf gewesen und habe zu Hause alles erledigt, dann bin ich zum Lieblingsbäcker meiner Frau gefahren, um die tollen Brötchen zu holen, die sie so gerne mag. Ich habe mir gedacht, dass sie das bestimmt ganz toll findet, wenn sie aus dem Kreißsaal draußen ist und endlich wieder etwas essen darf. Vorher kam noch eine SMS, dass sie wohl die Zweite oder Dritte im OP-Plan sein würde. Nun ja, ich bin dann trotzdem um 8:00 Uhr los und als ich bereits in Oldenburg war kam die SMS, dass sie doch schon die Erste im OP ist und ich mich beeilen soll, da es jetzt losgehen würde. OK, von der SMS bis zum Parkplatz waren es zum Glück nur noch 10 Minuten… ich bin hoch zur Station, habe alles in’s Zimmer gelegt und bin dann in den Kreißsaal gehechtet. Ich konnte meiner Frau noch eben einen Kuss geben und dann wurde sie schon rüber gebracht. Mir wurden OP-Kleider hingelegt und ich habe mich komplett umgezogen…

George Clooney hätte ich Konkurrenz machen können… Das Outfit stand mir 😄 Ok, genug der Witze.

Ich sollte mich dann in eine Ecke des Flures setzen und war wahnsinnig nervös, so nervös dass ich mich fast übergeben habe. Ich kann solche Drucksituationen nicht ab, wo ich nicht weiß, was auf mich zukommt. Zwei Gläser Wasser haben meiner Kehle dann aber doch gut getan.

Irgendwann ging die Tür auf und ich wurde rein gebeten. Ich habe mich zum Kopf meiner Frau gesetzt und habe mir erst einmal die Szenerie angeschaut, um dann doch lieber mit meinen Blicken bei meiner Frau zu bleiben. Und sie hat meine Nähe wirklich gebraucht. Wenn man weiß, was in diesen Momenten passiert und die ganze Kulisse, Geräusche und Bewegungen mitbekommt, ist das ganz schön hart. Meiner Frau liefen die ganze Zeit dicke Krokodilstränen übers Gesicht, die Augen fest zusammengekniffen und ich hab versucht so nah wie möglich bei ihr zu sein: ich habe ihre Hand gehalten und ihre Wange gestreichelt. Zum Reden war ich nicht in der Lage…

Und dann schossen uns das erste Mal die Tränen in die Augen…

Unser Sohn hat geschrien!

Ich hab es gehört!

Dann höre ich unsere Tochter schreien. Beide werden uns sofort gegeben. Meine Tochter auf die Brust meiner Frau und meinen Sohn bekomme ich in meine Arme. So unwirklich, so wunderschön! Wir sind komplett hin und weg und konzentrieren uns eigentlich nur auf die beiden Zwerge. Das ganze drum herum ist so gut wie nicht vorhanden, bis zu dem Moment wo ich gebeten werde mit beiden Kindern nach nebenan zu gehen.

Wir gehen also wieder in den Kreißsaal wo ich meinen Oberkörper frei mache und ich lege mich mit beiden Kindern ins Bett. Gott, die beiden sind so fertig, vorher war es so schön dunkel und warm und nun sind sie in der wirklichen Welt bei uns. Aber beide sind komplett ruhig und zufrieden und liegen bei mir… bei PAPA!

Als meine Frau 10 Minuten später kommt, legt die Hebamme auch unseren Sohn das erste Mal an und dann auch das Töchterchen. Beide sollen von der ersten Milch profitieren. Wir waren bestimmt dann eine Stunde allein mit den beiden Kleinen und das fand ich wirklich super. Man hat uns so viel Ruhe mit den beiden ermöglicht, man konnte wirklich ankommen, vor allem die beiden Kleinen. Danach wurden die Zwerge vermessen und gewogen und dann kamen wir in unser Zimmer. Den frisch gebackenen Großeltern hatte ich dann mit zittriger Hand eine SMS geschrieben, dass sie gegen Nachmittag vorbeikommen dürfen, weiterer Besuch aber noch nicht von uns gewünscht ist, dass es ja schon etwas viel ist.

Wir haben dann noch eine ganze Zeit unser neues Glück allein gefeiert bis die Ärzte dann zur U1 kamen. Unser Töchterlein wurde untersucht und alles war in bester Ordnung und als unser Sohn gerade dran war, klopfte es an der Tür und ich bin kurz hoch und mit raus damit noch nicht alle rein gehen. Schließlich war meine Frau noch halb nackt und musste erst einmal angezogen werden und das erste Mal zur Toilette. Ich also raus mit meiner Tochter im Arm und dann stehen sie alle um mich rum und löchern mich mit Fragen…

Wie groß… wie schwer… ist alles dran?

Und ich steh da, meine Kehle schnürt sich zu und die ganze Anspannung von 3,5 Tagen (und den ganzen Jahren davor) bricht in dem Moment heraus und ich heule in den Armen meiner Eltern wie ein kleines Kind. Meine Schwiegermutter, die mich so noch nie gesehen hat, flennt natürlich auch genauso wie meine Eltern.

Hier ist sie, unsere kleine süße Tochter, Euer erstes Enkelkind. Kurze Zeit später können wir dann auch rein und meine Frau kann auch unseren Sohn (U1 übrigens auch mit Bravour bestanden) präsentieren. Der zweite Enkel.

Dann war es ein liebes nettes Beisammensein, wo natürlich jede Menge Fotos und Videos gemacht wurden, die Kinder wurden von den Omas und Opas gehalten und uns wurde bestätigt, dass es die süßesten und hübschesten Kinder der ganzen Welt sind. Totaler Quatsch, für uns aber natürlich das einzig Wahre 😊

Nach ein paar weiteren Tagen Krankenhaus durfte ich dann meine drei Lieben auch mit nach Hause nehmen und ich kann Euch nur sagen:

ICH BIN ENDLICH ZU HAUSE!
ICH BIN GLÜCKLICH!
ICH LIEBE MEINE EIGENE KLEINE FAMILIE! ❤️

Ich möchte Euch allen noch danken für die schöne Unterstützung, die ihr meiner Frau über die ganze Zeit gegeben habt. Mit Euch konnte sie über alles reden und vielleicht war auch das ein Grund dafür, so lange durchzuhalten. Für das Ergebnis bin ich über alles dankbar.

Der Papa von Käfer und Krabbe

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10 Kommentare

  1. So schön! Jetzt muss ich mir erstmal die Tränen wegwischen. Hach…

    Genießt die Zeit zu 4.

    Dicken Drücker <3

  2. Da muss ich direkt an meinen eigenen KS denken und wie nervös mein Mann war. Danke für den tollen Bericht! So kann ich etwas nachvollziehen wie sich auch mein Mann gefühlt haben muss!

    Ich wünsche euch eine tolle Zeit mit den beiden! ❤

  3. Was für ein schöner Bericht – toll! Die Aufregung, das Warten, die Erleichterung, all das ist richtig gut nachzuvollziehen. Ich wünsche euch eine wunderbare erste Zeit gemeinsam. Wir wohnen, wenn ich das richtig sehe, übrigens ganz bei euch in der Nähe, lustig 🙂

  4. Pingback: Mein Geburtsbericht, nichts für schwache Nerven! – Villla Kuntabunt

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