So haben Herr Nilsson und ich uns kennen- und lieben gelernt ❤️ Ein Gastbeitrag vom tollsten Mann der Welt ❤️

Hallo Ihr Lieben,

da sich die Reise von meiner Frau und mir nun in den letzten Zügen befindet, wurde ich gebeten, einen Gastbeitrag für den von Euch so geschätzten Blog zu scheiben.

Wer mich kennt weiß, dass ich ein recht nüchterner Mensch bin, der viel arbeitet, um seiner Familie alles zu ermöglichen. Witziger Weise fing hier, auf der Arbeit, auch alles an.
Meine Frau Pippa habe ich auf der Arbeit kennen gelernt – was für ein Klischee 😊
Nachdem ich anfangs ein paar Startschwierigkeiten hatte, war mir aber relativ schnell klar, dass sie die Frau meines Lebens ist und auch sein soll. Mit ihr konnte und kann ich heute mir noch alles vorstellen und ich wusste, dass sie die Mutter meiner Kinder werden sollte. Wie es so normal in einer Beziehung ist, hat man nicht alles erzwungen und so gingen die ersten Jahre unserer Beziehung ins Land. Wir haben beide unsere Karrieren gefördert, haben uns ein Nest gekauft und sind in unser schönes Haus gezogen. Wir haben geheiratet und waren nun auch wirklich bereit dieses große Haus mit etwas mehr Leben und Radau zu füllen.

Hier (bzw. kurz vor Einzug in unsere Villla Kuntabunt) fing unser „Weg“ nun an. Als kleiner Junge hatte ich mit 2-3 Jahren einen Hochhoden und die Ärzte haben meinen Eltern seinerzeit empfohlen, diesen operativ entfernen zu lassen, da sonst die Möglichkeit bestehe, dass sich hieraus Hodenkrebs entwickeln könnte. Bei einem meiner Schulfreunde ist es tatsächlich zu so einem Befund gekommen und er ist mit Anfang 30 gestorben. Das ist eigentlich schon erschreckend, wenn man an die heutigen Möglichkeiten der Medizin denkt.

Als unsere ersten ungeschützten Bemühungen (was für ein Wort… wobei es ja auch Spaß gemacht hat) monatelang keine Ergebnisse brachten, bat mich mein Schatz, doch einmal beim Urologen mein Sperma untersuchen zu lassen. Nach langem Drucksen hab ich mir dann auch einen Termin geholt und habe tapfer in einer kalten, sterilen Ecke eines Behandlungszimmers meinen „Mann“ gestanden und dem Urologen eine Probe übergeben. Nach einer Woche stand das Ergebnis fest. „Guter Mann, kein Problem… hören Sie auf zu rauchen und nehmen Sie ein paar zusätzliche Vitamine…. dann klappt das schon.“

Ein halbes Jahr ging ins Land und es hat leider nicht gereicht, einfach nur „ein paar Vitamine“ zu nehmen. Wir sind dann zusammen zu unserer Kinderwunschklinik gegangen, wo mir dann noch einmal vor Augen geführt wurde, dass meine Spermien schon etwas Hilfe in Form einer ICSI Behandlung benötigen würden damit ich die Eizellen meiner Partnerin befruchten kann (Chance auf natürlichem Wege, schwanger zu werden: <1%). Das war für mich ein herber Schlag ins Gesicht… Nicht wirklich zeugungsfähig? Kein richtiger Mann? Ich hatte in meiner Kindheit schon genug damit zu kämpfen dass ich nur einen Hoden besaß und nun noch so etwas. Für mein Ego war das nicht gerade ein Jubelschrei.

Umso mehr muss ich mich eigentlich dafür schämen, dass ich etwas erleichtert war, als sich heraus stellte, dass es nicht ausschließlich nur an mir lag, sondern auch an meinem Schatz, dass es auf natürlichem Wege nicht klappte. Wer meinen Schatz kennt und sie ansieht würde es niemals denken, dass bei ihr bereits die Wechseljahre am Kommen waren und ihre biologische Uhr nicht nur mehr am Ticken war, sondern phasenweise auf den Uhrenmacher wartete, der sie wieder etwas aufziehen sollte. (Das mit den erhöhten Killerzellen kam nach ICSI 5 hinzu).

Naja, wer uns kennt, sieht eigentlich ein Paar, was so etwas als Herausforderung sieht und eine solche immer annimmt und das Beste daraus macht. So kamen wir zu unserer ersten ICSI Behandlung.

Uns war eigentlich klar, dass, wenn wir uns jetzt einmal professionell helfen lassen würden, es gar keine andere Möglichkeit gibt, als dass es klappen würde. Denkste! Das Universum hat uns da ganze 5 Mal den Finger gezeigt und unseren großen Traum nicht wahr werden lassen. Bis zum 6. Mal!

Ich war zu dem Zeitpunkt gerade in Goslar am Arbeiten und während ich in einer Pause draußen war hat mir ein Vogel auf den Kopf gepupst (zum Glück nur ein bisschen). In diesem Moment war wir klar, dass es geklappt haben musste. Ich habe sofort meine Frau angerufen und von diesem Erlebnis erzählt und einige Tage später kam von ihr das offizielle Ergebnis eines Tests…: Ja sie ist schwanger!

Man kann nicht in Worte fassen, was in diesem Moment mit einem Mann passiert, aber ich habe mich über alles gefreut und nicht nur eine Träne vor Glück verdrückt. Als ich wieder zu Hause war habe ich meine Frau ganz fest in den Arm genommen und mir war klar, dass wir es jetzt endlich geschafft hatten. Wir legten uns aber erst einmal darauf fest, den Kreis der Eingeweihten relativ klein zu lassen. Als ich einige Tage später einmal in Ruhe mit meinem Vater gesprochen hatte und ich merkte, dass er etwas nieder geschlagen war, habe ich es ihm dann aber doch erzählt. Ich habe selten erlebt, dass sich mein Vater so gefreut hat, als ich sagte, dass er Opa werden würde. Er schlug die Hände über sein Gesicht und fing hemmungslos an zu weinen. Natürlich vor Glück, aber es war dennoch heftig. Ich weiß nicht, ob auch Männer hier diesem Blog folgen, aber es ist schon etwas Erschütterndes, seinen eigenen Vater weinen zu sehen, wo es doch immer der Elternteil ist, zu dem man aufschaut in Sachen Stärke und Integrität.

Auf meinem Schreibtisch steht ein Bild meiner Frau (übrigens bildhübsch) in einem massiven Rahmen. Eines Tages, so gegen Mittag, fiel aus unerfindlichen Gründen das Bild vom Schreibtisch herunter. Es ging zwar nichts kaputt, aber ich fand es trotzdem seltsam. Rückwirkend betrachtet kann es der Zeitpunkt gewesen sein, wo das Herz unseres Sternenkindes aufhörte zu schlagen. Ich glaube nicht wirklich an Übernatürliches, aber ich bekomme heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Eine Fehlgeburt und Ausschabung war die Folge. Wie soll man sich von so einem Schicksalsschlag erholen? Wieso passiert das eigentlich uns? Haben wir nicht genug getan? Nicht genug gelitten? Wieso gönnt man uns nicht unser vollkommendes Glück? Ich brauche doch wirklich nicht viel… Ich habe eine wundervolle Frau, ein schönes Heim, eine gute Arbeit. Mir fehlt nur noch eine Sache zum Glück: ein Kind mit meiner Frau.

Wir haben beschlossen erst einmal zu pausieren, damit sich der Körper meiner Frau auch etwas erholen kann von den ganzen Medikamenten. Wir kamen auf die Idee, unseren Sommerurlaub einmal etwas anders zu gestalten und haben eine kleine Rundreise mit dem Auto gemacht. Wir haben wunderschöne Städte besucht und uns erst in der Stadt wo wir residierten das Hotel für die kommende Stadt gesucht. Von Dresden, über Prag und Wien, nach Triest und weiter nach Venedig sind wir dann irgendwann über Ingolstadt wieder nach Hause gekommen. Es war ein wirklich sehr schöner Urlaub und wir konnten wieder etwas Mut und Kraft tanken.
Witziger Weise haben wir in Prag die Station gefunden wo wir nun unsere Behandlung fortsetzen wollten. Nicht nur, dass es eine sehr schöne Stadt ist, nein, diese eine Klinik war wirklich in der Lage es zu schaffen!!! Zwei weitere ICSIs später (wir wollten die bezuschussten Versuche unserer Krankenkasse noch nutzen) war es soweit 😊

Als wir nach einem positiven Test bei unserer Kinderwunschklinik zu Hause waren, waren wir beide schon recht aufgeregt. Frau Doktor nahm den Ultraschallstab und da waren sie… 2 kleine Fruchthöhlen mit 2 schlagenden Herzen. Meiner Frau liefen die Tränen von den Wangen und ich habe mich auch so sehr für uns gefreut. Ich konnte sie nicht lange anschauen, da ich sonst auch geweint hätte und ich bin doch immer unser Fels an dem man sich festhalten kann. Soweit waren wir noch nicht gekommen (bei unserem Sternenkind haben wir nie einen Herzschlag sehen können) und es schien nun wirklich gut zu werden.

Liebe Grüße und bis bald

Euer Herr Nilsson

(Fortsetzung folgt bald: Der Geburtsbericht)

8 Kommentare

  1. Anna Salerno

    Awww, so schön, ihr Zwei!!! Ich bin schon gespannt, was Herr Nilsson noch so zu berichten hat 🙂 Auf jeden Fall – kommt nun das Highlight <3

  2. Nuri Hernandez

    Sehr schön, auch mal die Stimme des Mannes zu hören, danke dafür! Ich werde das meinem Mann zeigen. Habe in den Kinderwunschversuchen gemerkt, wie stark sich alles auf die Frau konzentriert, und wie hilflos sich der Mann dabei fühlen kann. Und: Herzlichen Glückwunsch 😊

    • Huhu 🙂 Sei gespannt, wie es weitergeht! Ich habe geweint, als ich den Anfang gelesen hat. Es dauert noch etwas, aber das was ich bisher gelesen habe, lässt mich eine ganz andere Seite an ihm sehen! Ich habe ihn außerdem diese Woche das erste Mal weinen gesehen! So viele Emotionen! ❤️

  3. Liebe Pippa,
    man kann förmlich die Liebe spüren, die dein Mann für dich empfindet! Ich hatte Tränen in den Augen beim Lesen 😊
    Gewöhn dich schon mal dran.. die Hormone bleiben weiterhin so verrückt 😅
    Ich freue mich sehr für euch und lass dich schön verwöhnen, wenn ihr alle zu Hause seid ❤
    PS: Gute Besserung! Diese Narbe kann einen noch Monate später ärgern, aber noch 2 Wochen ca., dann kannst du alles wieder ganz normal machen (zumindest von den Schmerzen her).

  4. Mir kamen echt die tränchen. …wunderbar geschrieben von einem Mann. Alles Glück der Welt euch. . Ihr habt es verdient .

  5. Schön, von dir zu lesen 🙂 Und ja, deine Frau ist wirklich wunderschön.

    Deine Zeilen sind sehr bewegend und schön – ihr Männer könntet ruhig öfters mal so offen reden. Meiner tut das jedenfalls nicht. Aber gut, er ist eben auch mein Fels.

    Ich freue mich wahnsinnig für euch, dass ihr nun endlich euer doppeltes Glück in den Armen halten könnt.

    Alles, alles Liebe und einen dicken Knutsch an deine Frau 😉

  6. Toll das auch der Mann mal schreibt 🙂
    Ich freue mich so sehr für euer Glück und bin schon sehr gespannt auf alles was folgt.
    Genießt das Kuscheln und Kennenlernen mit den zwei Mäusen :-*

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