Darf man Kinder schreien lassen?

Fragt man andere Eltern, Großeltern, Freunde, Verwandte oder Bekannte (diese Liste ist endlos fortzuführen…) diese Frage, bekommt man meist entweder die eine oder die andere Antwort. Es ist, als gäbe es kein „dazwischen“, keinen Kompromiss. Die einen schauen einen entrüstet an und rufen erschrocken: „Auf gar keinen Fall!!“ Die anderen (und das sind oft Ältere oder Leute, die man überhaupt nicht gefragt hat): „Das ist gut für die Lungen!“

 

Zweite Aussage finde ich persönlich ganz fürchterlich und dennoch könnte ich diese Frage, würde man mich fragen, nur beantworten, in dem ich ein bisschen aushole!

 

Denn ich denke, es kommt ganz darauf an! Auf das Alter, auf die Situation, auf besondere Umstände, auf Schübe und neue Eindrücke. Auf das Wohlbefinden und ob sie krank sind und und und…

 

Zu Beginn schreien Babies nur, wenn sie etwas haben, wie zum Beispiel Hunger, Schmerzen oder das Bedürfnis nach Nähe! Wobei ich mich schon im Krankenhaus schon immer über die ganzen schreienden Babies gewundert habe! Unsere Krümel waren (zumindest da noch) sehr einfach gestrickt: Sie wurden alle drei Stunden gewickelt, gefüttert und wieder hingelegt. Zwischendurch? Selten ein Jammern, zu Anfang jedoch mal ein Schreien, seitdem wir dann zugefüttert haben wie oben beschrieben. In der Zwischenzeit habe ich geduscht, mir Essen geholt, ausgiebig gegessen, telefoniert, Papierkram erledigt etc. So ging es dann auch zu Hause die nächsten beiden Wochen weiter und im Nachhinein ärger ich mich, dass wir nicht einfach geschaut haben, bis die Krümel sich von alleine gemeldet haben, wenn sie Hunger hatten. Dass wir sie alle drei Stunden geweckt haben, um sie zu füttern, aber gut, das ist ein anderes Thema…

 

In dieser Zeit und auch danach noch habe ich immer sofort und umgehend reagiert!

 

Selbst wenn sie geschrien haben (und das war schon im zweiten Monat unser allabentliches Programm), so habe ich sie, wenn sie theoretisch satt und trocken waren, ihnen eigentlich nichts weh tat, sondern sie einfach nur motzig waren, den Tag verarbeitet haben oder es einfach mal wieder Zeit war, unser Reaktionsvermögen zu testen, gekuschelt, geschunkelt, umhergetragen, habe ihnen vorgesungen und Geschichten erzählt. Selbst wenn sie erst nach ihren drei Stunden Dauergeschrei (manchmal sogar erst nach fünf) wieder aufgehört haben, so hatten sie in dieser Zeit auf jeden Fall immer Körperkontakt und eine beruhigende Stimme bei sich. War eine Grenze bei mir erreicht (nicht selten habe ich heulend und entkräftet auf der Couch gesessen), so hat meine Mutter uns unterstützt.

 

Mittlerweile sind die beiden 4 Monate alt und ja, ich lasse sie manchmal schreien. Wenn ich Ihnen eine Flasche mache und es ihnen nicht schnell genug geht, erzähle ich ihnen, was ich gerade tue und dass es nun zwei Minuten dauert. Sie hören mir eh nicht zu und selbst wenn sie es täten, würden sie wohl mehr meiner Stimme lauschen als den Worten. Oder wenn ich weiß, dass alles ok ist (also wenn sie ausreichend gegessen haben, die Windel gewechselt ist, sie aufgestoßen haben und das einzige Problem ist, dass ihnen gerade langweilig ist, ja, dann lasse ich sie auch mal schreien. Natürlich nie grundlos, aber auch ich muss mal auf Toilette oder mir etwas zu essen machen. Und wenn man genau hinhört, hört man sogar, warum sie schreien, da fällt es mir etwas leichter, wenn es das „Mir ist so langweilig und will jetzt entertaint werden!“-Schreien ist.

 

Als Mama (oder auch Papa) hört man, wann sie schreien, obwohl nichts ist und wann sie wirklich etwas haben.

 

Seit ein paar Tagen zum Beispiel schreit der Käfer aus heiterem Himmel abends und früh morgens so herzzerreißend, dass ich alles, aber auch wirklich alles stehen lasse, um ihn aus seiner Verzweiflung zu befreien! Tagsüber schreit er eigentlich nur, wenn ich nicht in Sichtweite bin und der Spielebogen langweilig geworden ist. Dann muss man natürlich lauthals nach Mama rufen, um sie dann mit einem breiten Grinsen zu begrüßen! Die Krabbe hingegen schreit tagsüber eigentlich nur, wenn sie Hunger hat, was öfter mal vorkommt, da diese kleine süße Quatschnudel gerne mal nach 20 ml einschläft, um dann 30 Minuten später zu bemerken, dass das lange nicht genug war! Da reagiere ich natürlich auch schnellstmöglich. Wenn jedoch der Schnuller ausgespuckt wird, um ihn dann wieder schreiend einzufordern (macht der Käfer zu gerne), lasse ich nicht alles stehen und liegen, sondern dann schreit er eben mal zwei Minuten. Und selbst dabei habe ich die beiden immer mit dem Babyphone im Blick!

 

Wer die beiden sieht, sieht zwei wahnsinnig glückliche Kinder, die natürlich auch gerne mal zu Terrorkrümeln mutieren, aber meist jedoch mit einem Grinsen im Gesicht und einem Funkeln in den Augen unsere kleine Welt zum Leuchten bringen. Ihr Urvertrauen ist vorhanden und sie wissen, dass wenn etwas ist, immer jemand da ist für sie. Das genau ist uns das Allerwichtigste gewesen und da tut mir jedes Baby wahnsinnig leid, das genau dieses nicht erfahren darf.

 

Also ja: Ich lasse meine Kinder auch mal schreien, aber nur, wenn ich mir sicher bin, dass es keinen Grund dafür gibt!

2 Kommentare

  1. Das war zu schnell, entschuldige.

    Liebe Kuntabunt,

    Deine letzte Aussage tut mir im Herzen weh. Babys haben wirklich immer einen Grund zum „schreien“. Immer. Auch wenn du ihn nicht erkennst, ist er da. Es ist ihr einziges Mittel, um auf ihre Not aufmerksam zu machen. Und Babys, die schreien, haben eine Not. Sie machen das nicht, um dich zu terrorisieren oder zu nerven, sondern weil sie dich brauchen. Und so etwas in einen Blog zu schreiben finde ich ziemlich gefährlich für Menschen, die sich dann bestätigt fühlen, dass schreien lassen völlig normal ist. Das ist es nicht und macht Babys große Angst. Ich habe verstanden, dass das für dich nur in Ausnahmefällen passiert, aber es versteht mit Sicherheit nicht jeder so.

    Ich finde gerade die passenden Links dazu nicht. Ich muss nun zur Arbeit und hole das nach. Es ist ziemlich spannend, was mit kleinen Menschen passiert, wenn sie schreien gelassen werden.

    Liebe Grüße,

    Emma

    • Liebe Emma,

      sieht man meine letzte Aussage herausgetrennt aus dem Beitrag, würde mir der Satz auch nicht gefallen, aber ich erkläre es ja weiter oben wie es gemeint ist. Ich möchte damit niemanden bestätigen, ich möchte nur beschreiben, wie es bei uns ist. Vielleicht ist „schreien“ auch nicht immer der passende Ausdruck. Unsere beiden Krümel schreien nicht nur. Sie schreien, meckern, mosern, rufen, quaken etc. Mittlerweile höre ich sehr genau, was sie möchten. Es gibt so viele verschiede Arten des Schreiens, die Links, die Du meinst, (denke ich zumindest), beziehen sich auf das richtige Schreien, wo ich jederzeit alles stehen lassen würde (sofern möglich), um sie zu retten. Und es ist ja nicht so, dass ich irgendwo liege und ein Buch lese. Ich wasche Wäsche, gehe mal Pipi machen, wärme mir etwas in der Mikrowelle auf oder hole schnell ein paar Toppas. Sie haben eigentlich immer Blickkontakt zu mir oder hören mich. Wenn ich alleine bin, nehme ich den wachen Krümel auch mit nach oben zum Bügeln oder ins Bad. Den anderen beobachte ich über das Babyphone. Bei einem Schreien, wenn der Schnulli rausgefallen ist, lasse ich nicht alles umgehend stehen und liegen, ist die Nase dicht, dagegen schon. Und wenn die Krabbe mich angrinst, dann anfängt zu brüllen, danach grinsend schaut, ob ich es auch gesehen habe, dann lass ich sie halt mal schreien. Und wenn ich eine Flasche mache, weil sie Hunger haben, müssen sie auch mal eben warten, falls es dann doch eine Minute länger dauert, weil das Pulver alle ist und ich fix in den Keller muss. Und wenn wir spazieren gehen und einer anfängt, eine Flasche im Liegen oder ein Schnulli nicht das ist, was sie wollen, rase ich nach Hause und beruhige sie derweilen mit Worten. Da müssen dann leider wir beide oder im schlimmsten Fall alle drei durch. Ich kann tagsüber nicht ununterbrochen vor ihnen sitzen und mit ihnen spielen oder sie beschäftigen. Nachts würde ich sie natürlich nie(!) schreien lassen. Im Gegenteil, nach jeder Flasche wird ausgiebig gekuschelt, da das tagsüber manchmal leider zu kurz kommt…

      Liebe Grüße
      Pippa

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