Warum ich beschloss, abzustillen!

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“Es gab einen Zeitpunkt, da fingen die Krümel an, auf Grund von Koliken jeden Abend bis zu fünf (!) Stunden zu schreien. Ich saß mit der Krabbe auf dem Schoß im Schneidersitz auf dem Sofa und mein Mann lief mit dem Käfer im Fliegergriff durchs Wohnzimmer. Einmal kam meine Mama uns besuchen, um wieder zu helfen und ich fing an zu weinen. Ich weinte und weinte und sackte in mich zusammen, als meine Mama mir die Krabbe abnahm und ich endlich einschlief. Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits 36 Stunden nicht geschlafen und fühlte mich einfach so hilflos! Als ich aufwachte, war es ruhig! Mein Mann war mit den Krümeln eine Stunde lang mit dem Auto umhergefahren, hatte zwei (oder drei?) Schichten zusammen mit meiner Mama übernommen und ich bekam nichts mit, obwohl ich genau danebenlag. Irgendwann wachte ich auf, da meine Brüste mir eindeutig zu verstehen gaben, dass es wieder Zeit war, zu pumpen. In dem Augenblick beschloss ich, abzustillen. Ich wollte schlafen, ich wollte “frei” sein, um meine Mäuse beruhigen zu können.”

Die liebe Nora hat mich zu meiner Stillgeschichte interviewt. Und auch, wenn ich das Gefühl hatte, nicht wirklich viel erzählen zu haben, so ist es doch (in meinen Augen) ein wundervolles Interview geworden. Manchmal ist einem selbst gar nicht bewusst, was man leistet! Worauf man verzichtet! Dass man sich selbst soweit in den Hintergrund stellt, dass man sich beinahe vergisst! Durch das Interview habe ich mich zum ersten Mal seit einem Jahr mit meiner Stillgeschichte auseinandergesetzt und muss zugeben, dass ich einen Kloß im Hals hatte, als ich das fertige Interview noch einmal durchgelesen habe…

Stelle dich ganz kurz vor!
Mein Name ist Pippa und ich bin Ende 30. Meine Krümel sind mittlerweile 1 Jahr alt und ich habe sie bei 37+0 holen lassen. Zu dem Zeitpunkt haben sie schon knapp 6 Kilo gewogen und ich konnte fast nichts mehr. Dank meiner Symphysenlockerung war jeder Schritt äußerst schmerzhaft und dank eines verkürzten GMH lag ich die letzten Wochen überwiegend. Nach drei Tagen vergeblicher Einleitung haben wir dem Kaiserschnitt zugestimmt.

Wie war deine Einstellung zum Thema Stillen in der Schwangerschaft? Hast du dich irgendwie darauf vorbereitet? Oder einfach alles auf dich zukommen lassen?
Ich hatte fest vor, die Krümel so lange wie möglich zu stillen. Ich habe mir verschiedene Stillkissen besorgt, unter anderem ein Zwillingsstillkissen, habe mich bewusst für ein stillfreundliches Krankenhaus entschieden. Meine Hebamme wusste ebenfalls, dass ich es mir wünschte, zu stillen und da mir bewusst war, dass wir auf jeden Fall zu Beginn zufüttern würden müssen, habe ich viel recherchiert, welche Flaschen am wenigsten zur Saugverwirrung führen würden und sie mit ins Krankenhaus genommen.

Kannst du dich noch an dein allererstes Stillerlebnis erinnern?
Noch im Kreissal wurden die Krümel nacheinander angelegt, wo sie friedlich einschliefen. Selbst, wenn mir bewusst war, dass sie gerade unmöglich satt geworden sein konnten, so war es ein unbeschreibliches Gefühl – befremdlich und herzerwärmend zugleich.

Mussten in der Anfangszeit Hilfsmittel eingesetzt werden? Wie hast du dich damit gefühlt?
Ich brauchte alles Mögliche an Hilfsmittelchen! Nachdem ich zu Beginn meine Brüste mit der Hand ausgestrichen habe, um jeden einzelnen Tropfen Milch mit einer kleinen Spritze aufzufangen, so pumpe ich bereits am zweiten Tag fleißig nach jedem Anlegen (alle 3 Stunden). Ziemlich schnell tat es so sehr weh, dass ich das Stillen nur mit Stillhütchen aushalten konnte. Außerdem wurden Kühlpads und Wundsalbe in der Zeit meine besten Freunde!

Gab es Komplikationen? Was hast du dagegen unternommen?
Leider ging es soweit, dass meine Brustw*rzen anfingen, zu bluten, verkrusteten und in Fetzen herunterhingen. Die Hebammen haben mich immer wieder ermutigt, trotzdem weiter anzulegen, aber es ging nicht. Ich habe beschlossen, solange nur abzupumpen, bis sie sich wieder erholt haben und verheilt waren. Insgesamt dauerte es zwei Wochen, in denen wir erst beide Krümel mit Muttermilch und PreMilch fütterten, um anschließend für die nächste Runde abzupumpen. Als ich endlich keine Schmerzen mehr hatte, begann ich, mal abwechselnd, mal zeitgleich die beiden zu stillen, um anschließend zuzufüttern und wieder etwas abzupumpen, um die Milchproduktion anzuregen. manchmal kam ich auf 250 ml und hätte ich lange genug durchgehalten, hätte ich bald nicht mehr zufüttern müssen, da war ich mir sicher.

Was hat dir Probleme bereitet?
Ich glaube, mein größtes Problem war, dass ich anatomisch nicht dafür gemacht bin, zwei Kinder zeitgleich zu stillen: langer Oberkörper, nichts hängt 😉 – die Kinder mussten weit nach oben gebracht werden. Jedes Stillen hatte knapp 40 Minuten gedauert, so dass es einfacher für mich war, die Krümel nacheinander zu stillen.

Wann hat sich eine Routine eingestellt? Wie sah diese aus? Meine Routine war folgendermaßen: Alle drei Stunden wurden die Krümel geweckt (etwas, was ich im Nachhinein sehr bereue, denn sie waren weder zu klein, noch zu leicht), gewickelt, einer gestillt und einer mit der Flasche gefüttert, sofern mein Mann oder meine Mama da waren, um zu helfen (ansonsten habe ich beide mit der Flasche gefüttert). Anschließend sind die beiden im besten Fall wieder eingeschlafen und ich habe in Ruhe abpumpen können. Wenn nur einer geweint hat und Hilfe da war, konnte ich auch meine 20 Minuten abpumpen, bei zweien musste das Pumpen etwas warten. Wenn ich alleine war und anfing zu pumpen, hatte ich oft Angst, dass gleich einer der beiden (oder beide) anfingen zu weinen. Die Krümel gingen auf jeden Fall vor und wenn sie es brauchten, auf mir zu liegen, um schlafen zu können, so war ich da für sie. Gepumpt habe ich dann eben, wenn sie wieder eingeschlafen waren. Waren die Krümel dann satt, sauber und am Schlafen, hatte ich Wahl zwischen duschen, essen und schlafen bis zur nächsten Runde. Ohne meinen Mann und meine Mama hätte ich die Zeit mit Sicherheit nicht überstanden!

Wann und warum hast du den Schlussstrich gezogen? Bereust du deine Entscheidung, vorzeitig abgestillt zu haben? Es gab einen Zeitpunkt, da fingen die Krümel an, auf Grund von Koliken jeden Abend bis zu fünf (!) Stunden zu schreien. Ich saß mit der Krabbe auf dem Schoß im Schneidersitz auf dem Sofa und mein Mann lief mit dem Käfer im Fliegergriff durchs Wohnzimmer. Einmal kam meine Mama uns besuchen, um wieder zu helfen und ich fing an zu weinen. Ich weinte und weinte und sackte in mich zusammen, als meine Mama mir die Krabbe abnahm und ich endlich einschlief. Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits 36 Stunden nicht geschlafen und fühlte mich einfach so hilflos! Als ich aufwachte, war es ruhig! Mein Mann war mit den Krümeln eine Stunde lang mit dem Auto umhergefahren, hatte zwei (oder drei?) Schichten zusammen mit meiner Mama übernommen und ich bekam nichts mit, obwohl ich genau danebenlag. Irgendwann wachte ich auf, da meine Brüste mir eindeutig zu verstehen gaben, dass es wieder Zeit war, zu pumpen. In dem Augenblick beschloss ich, abzustillen. Ich wollte schlafen, ich wollte „frei“ sein, um meine Mäuse beruhigen zu können.

Könntest du die erste Zeit nochmal erleben, würdest du bezogen auf das Stillen etwas anders machen? Manchmal denke ich, wenn ich noch länger durchgehalten hätte, hättet sich die Abstände von Mahlzeit zu Mahlzeit vielleicht verlängert, aus 40 Minuten wären vielleicht 10 Minuten je Krümel geworden und vielleicht hätte ich doch noch eine Technik entwickelt, beide zeitgleich und einigermaßen bequem für mich zu still. Sollten wir noch ein drittes Kind bekommen, werde ich auf jeden Fall wieder alles versuchen!

Was möchtest du werdenden (Zwillings-)Müttern mit auf den Weg geben? DEN ultimativen Still-Tipp habe ich leider nicht, dafür einen eher allgemeinen: Versteift Euch nicht auf etwas, was Ihr uuunbedingt wollt. Macht Pläne, habt Träume, aber seid dennoch flexibel, wenn es nicht so klappt, wie gewünscht. Bloß, weil man einen Kaiserschnitt brauchte oder das Stillen früher als geplant aufgegeben hat, macht uns das noch lange nicht zu einer schlechten Mutter! Vergesst euch niemals selbst, denn nur wer gestärkt und sicher mit beiden Beinen „auf dem Boden steht“, der kann anderen ein Fels sein und sich um sie kümmern! In erster Linie muss es uns als Mama gut gehen, damit wir uns für unsere Krümel aufopfern können!

Das Interview und den Blog von Nora findet Ihr hier…

Wollt Ihr noch weitere (Ab-)Stillgeschichten lesen? Dann schaut direkt bei Juli oder bei Anke auf dem Blog vorbei!

 

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1 Kommentare

  1. In meinen Augen ist es auch ein ganz tolles Interview einer rührenden Geschichte geworden!!! Vielen, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Und ich stimme dir voll zu, das Erzählen/ Aufschreiben nützt nicht nur der Nachwelt, sondern auch dem eigenen Kopf! Ging mir genauso…

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