Ich musste gehen… weil ich uns liebe!

Manchmal muss man loslassen, denn manchmal tut Liebe weh! Gerade, wenn Kinder involviert sind, muss man Entscheidungen treffen, die einem schwer fallen, die aber unausweichlich sind. Dieser Beitrag ist anonym verfasst! Du Liebe, ich danke Dir für Dein Vertrauen und hoffe, dass Deine Worte auch anderen Mut machen! Du bist eine wahnsinnig tolle und starke Mama und Frau!

Liebes Tagebuch,

ja das zweite Kind war einzig und allein mein Wunsch – mein großer Herzenswunsch. Es war einfach ein Gefühl; ich fühlte mich noch nicht komplett. Wenn ich zurückblicke ist alles ganz genau richtig gekommen. Keinen einzigen Tag habe ich bereut, obwohl es schwere, wirklich schwere Tage gab und auch immer noch gibt.
Ich hielt den positiven Schwangerschaftstest in meinen Händen und die Freude war groß – bei uns beiden. Wir hatten uns beide für ein weiteres Kind entschieden, auch wenn es primär mein Wunsch war.

In der 9. SSW hielt ich das Ultraschallbild in meinen Händen – nicht ein Kind machte sich auf den Weg zu uns, sondern drei. Drei kleine Wunder unter meinem Herzen. Seine erste Reaktion: “Das geht nicht! Wer soll denn das bezahlen?”. Ich hatte auch Angst, aber ein jedes Kind hab ich vom ersten Moment an geliebt, maßlos geliebt. Beim zweiten Ultraschall tauchten sie nacheinander wie ein kleiner Fächer auf und dieses Bild erfüllt mich heut noch mit so unsagbar viel Liebe und Glück. Am Telefon dann die Frage: “Und? Sind es noch drei?” Äh ja. “Ich hab gewusst, dass du keins freiwillig hergibst!” – da wusste ich insgeheim schon, dass ich allein sein werde. Dieser Satz sitzt tief. Noch immer. Ab der 13. SSW hatte ich Blutungen, ab der 17. SSW zusätzlich Wehen.

Ich weiß noch wie wir stritten, weil ich kein Unkraut gezupft hatte – zugegeben: schwanger mit Drillingen und einem Kleinkind im Alltag, zudem der Haushalt; das war schon ausreichend mit all den Komplikationen die auftraten. Sie traten nicht ohne Grund auf … ich reduzierte nicht, ließ keines meiner Kinder wegmachen. Ich wurde schwanger rausgeschmissen und verbrachte ein paar Tage mit meiner Tochter und meinen drei Kindern unterm Herzen bei einer Freundin. Trotzdem hatte ich den Wunsch, dass wir es gemeinsam schaffen, als Paar, als Familie…

In der 20. SSW folgte der Blasensprung und keins meiner Kinder hätte zu diesem Zeitpunkt eine Überlebenschance gehabt. Ich schaffte es sie zu halten und meine innere Mitte zu finden. Die Ruhe und dieses große Vertrauen, das ich in der Klinik fand trägt mich noch heute. Verzweifeln hätt ich können, wütend und voller Trauer hätt ich einfach nur heulen und schreien können. Aber ich beschloss meinen Kindern Ruhe zu schenken, denn das war das einzige was sie beim Überleben unterstützte. Es gab keinen Ultraschall, kein Bauchstreicheln, da all dies Wehen auslösen konnte. Es gab kein einziges CTG in meiner zweiten Schwangerschaft, da sie noch zu klein waren. Knapp an der Überlebensgrenze kamen drei winzige Kinder auf diese Welt, meine Kinder. Per Notsectio.
Es folgten lange Monate auf der Intensivstation, Operationen und einem pausenlosen Funktionieren. Früh aufstehen, die Große in den Kindergarten bringen, in die Klinik fahren, hoffen dass ihre Herzen noch schlagen, liebevolle Zeit miteinander verbringen, abpumpen, wieder heim – die Große abholen, kochen, basteln, abpumpen, spielen, Haushalt. Geweint habe ich im Auto.

Abends hab ich mir Arbeitssorgen angehört und gebetet, dass er nicht wieder losfährt zur Tankstelle. Ja er hatte ein Problem, hat es vielleicht immer noch. Meine Kinder waren schon eine Zeit daheim, da kam er von einem Treffen der AA heim. Er fiel um beim Schuhe ausziehen. 25 km fuhr er heim, gefährdete andere Menschen auf der Straße. Gott was bin ich dankbar, dass ich ihm diesem Abend eine gescheuert hab, direkt ins Gesicht.
“Siehst du denn nicht, dass hier Menschen stehen, die dich lieben?” Das war noch mein Satz an diesem Abend, doch irgendwann kippte der Schalter um und ich sprach unser Aus aus. Nach 14 Jahren…

Ich habe ihm unser Eigenheim übertragen und lebe inzwischen mit meinen vier wundervollen Kindern in Miete. Es war widererwartens nicht schwer etwas zu finden und auch der Alltag gestaltet sich überraschend gut. Wir kaufen bei der Tafel ein, aber ich schäme mich nicht dafür. Ich biete meinen Kindern das beste Leben, das ich ihnen bieten kann. Ich bin Mama mit Leib und Seele und Materielles ist inzwischen zweit- oder sogar drittrangig. Wir lachen viel. Ich bin dankbar. So dankbar wie nie zuvor. Ich bin dankbar für vier gesunde Kinder und das ist wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Ich bin dankbar für nur eine Handvoll verdammt guter Freunde und meine Familie, wenn sie auch weit weg ist. Und ich bin dankbar für 14 Jahre mit ihm – so schwer er es mir auch nach wie vor macht. Ich bin dankbar, denn er hat mich mit all seinen Problemen und allen Verletzungen zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Und darauf bin ich tatsächlich stolz.
Ich bin stark, ich bin mutig und ich liebe meine Kinder … und wohl zum ersten Mal auch mich selbst.

Darum musste ich gehen. Weil ich uns liebe und wir das Beste verdient haben!

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