Mama (k)eine Selbstverständlichkeit

Den heutigen Beitrag hat Nora von Milch & Mehr geschrieben, deren Früchtchen knapp ein Jahr jünger sind als unsere Krümel. Sie hatte ihn schon vor einem Jahr auf ihrem privaten Blog veröffentlicht und würde ihn heute aber noch mal haar genauso schreiben. Die Gefühle haben sich nicht geändert. Liebe Nora, auch Dir danke ich, dass Du Deine Gedanken von damals mit uns teilst!

“Ziemlich genau vor einem Jahr war mein Leben ein komplett anderes. Ich ging einem Job nach, der viel Kraft in Anspruch nahm, mich aber nicht komplett erfüllte. Ich war unglücklich. Nebenbei hangelte ich mich von Arzttermin zu Arzttermin. Mit Hoffnung auf ein anderes Leben. Bald. Dann starb diese plötzlich wieder. Der erste richtige Versuch schwanger zu werden endete ehe er richtig anfing, weil mein Körper nicht mitspielte. War ich eine biologische Komplettversagerin? Ich hatte schreckliche Angst. Angst, nie eine Mama zu sein. Angst davor, was das aus mir machen würde, wenn mein seit vielen Jahren innigster Wunsch sich nicht erfüllen sollte. Was es aus meiner Ehe machen würde. Es war eine Art existentielle Angst. Niemals hatte ich je ein solch beklemmendes Gefühl. Es schnürte die Kehle zu. Es zog den Boden unter den Füßen weg. Selten verging ein Abend, ohne dass ich jämmerlich heimlich unter der Dusche weinte.

Das war vor einem Jahr. Nun hat sich mein Leben komplett verändert. Mein Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Die fiese Angst einfach verflogen. Dafür habe ich andere Ängste und Sorgen: die Gesundheit meiner Kinder, neue Rollenkonflikte, Erschöpfung. Ich gehe in meiner Rolle als Mama auf und langsam wird sie zu einer Art Selbstverständlichkeit. Ich bin manchmal richtig genervt vom Mamasein. Von meinen Kindern. Ich erinnere mich an die Zeit, die vor ihnen war. Ich denke über Unabhängigkeit, Ruhe und meine eigenen Bedürfnisse nach. Warum ich das alles nicht mehr genießen konnte. Es gibt Tage, an denen verstehe ich plötzlich sogar, wie es zu Schütteltraumata kommen kann und freue mich über genügend Selbstbeherrschung. Mit anderen Müttern tratsche ich über die Marotten meiner Kinder. Beschwere mich über Normalitäten, die der neue Alltag mit sich bringt. Mein Traum. Mein innigster Wunsch. Ich sehe meine beiden Kinder nicht immer nur als vollkommenes Privileg. Erst hatte ich deswegen ein schlechtes Gewissen. Aber eigentlich ist es okay so. Ich lebe und genieße das Mamasein. Die neue Rolle ist anstrengend und fordernd. Aber unbeschreiblich toll.

Die Angst ist wie gesagt verflogen. Irgendwann in der Schwangerschaft hat es puff gemacht und sie war plötzlich weg. Ab da war ich Mama. Als wäre nie etwas anders gewesen. Als hätte es immer so sein sollen. Allerdings erinnere ich mich noch gut, wie sich meine Kehle und Füße anfühlten. Wie die Tränen unter der Dusche über meine Wangen liefen und sich mein Herz verkrampfte. Deshalb bin ich dankbar. Für meine zwei Wunder. Auch wenn sie manchmal nerven und an meinen Kräften zehren. Für die medizinischen Möglichkeiten. Für das Schicksal, das es gut mit uns meinte. Das Angstgefühl kommt hoch, wenn ich Geschichten mitbekomme, die unserer ähneln – mit Steinen dort, wo eigentlich keine sein sollten. Aber es geht wieder weg. Ich bin angekommen. Ob ich in der Zukunft auf noch mehr Wunder hoffen darf bzw. ob ich das überhaupt möchte, ist gerade nicht relevant. Wir leben so gut es geht im Hier und Jetzt. Sollten wir es noch einmal drauf anlegen, wird es sicherlich wieder viele Sorgen und Ängste geben. Aber halt nicht diese eine grundlegende Angst. Was ich denen, die aktuell wissen von welchem Gefühl ich spreche, mitgeben kann ist leider wenig. Wenn man von der Angst zerfressen wird können aufbauende Worte von anderen nur schwer helfen. Denn die Angst bleibt leider. Bis es puff macht. Und vorher hilft nur kämpfen. Nicht gegen die Angst, sondern für das Wunder. Damit es puff machen kann.”

Möchtest auch Du mir Deine Geschichte erzählen? Dann schreib mich gerne über das Kontaktformular an.
 

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